POL&IS

Der Atomkrieg beginnt und die Menschheit endet - ein Szenario, das sich wohl kaum eine Person wünscht, aber bei einer international konfliktgeladenen Situation durchaus denkbar ist. Wie es zu solch einer Situation real kommen kann, konnten die Schülerinnen und Schüler der Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde-Neigungskurse sowie Interessierte nachspielen – und zwar in der POL&IS-Simulation der Jugendoffiziere, die vom 18. bis 20. April 2018 in Todtnau-Fahl stattfand.

POL&IS – was ist das?

POL&IS, ein Akronym für Politik und internationale Sicherheit, stellt ein Simulationsspiel dar, bei der eine Gruppe von 35 bis 50 Personen teilnimmt und die Weltpolitik simuliert. Hierbei wird die Gruppe in Regionen und internationale Institutionen aufgeteilt. Jede Region besteht aus einem Regierungschef, der in unserem Fall auch das Umweltministerium innehatte, einem Staatschef und einem Wirtschaftsminister, wobei jedes Amt von einer Person bekleidet wird. Zusätzlich lebt die Simulation von den internationalen Institutionen wie der Weltbank, den NGOs (Non Governmental Organisations) wie Amnesty International oder Greenpeace und der Weltpresse. Des Weiteren müssen die zahlreichen Regionen zusammentreffen und alle gemeinsam kommunizieren. Hierfür bietet die UN den nötigen Raum, wobei das höchste Amt der UN-Generalsekretär darstellt, der von einem Sicherheitsinspektor unterstützt wird.

Um die Weltpolitik mit ihren Akteuren zum Leben erwecken zu lassen und das politische Geschehen realitätsnah simulieren zu können, werden mehrere Jahre, sogenannte POL&IS-Jahre durchgespielt. Hierbei dauert ein Jahr drei bis fünf Stunden und kann in verschiedene Phasen aufgeteilt werden. Es werden politische Aktionen im Land mit den jeweiligen Gremien besprochen, um dann die national vereinbarten Grundsätze in die Welt zu tragen und auf internationaler Ebene zu besprechen. So trafen sich alle Wirtschaftsminister mit der Weltbank, verhandelten gemeinsam und schlossen neue Bündnisse, während die Staatsminister Stationierungen und Einsätze durchführten oder die Regierungs- und Umweltminister Programme verfassten. Nach der Wiederholung von jenen nationalen und transnationalen Phasen fanden sich alle Politiker, Banker, Aktivisten und Journalisten im Rahmen der UN zusammen, um ihr Schaffen zu präsentierten, um als NGO eine Jahresbilanz zu ziehen oder um die aktuellen Nachrichten in die Welt zu tragen.

Aber wie sieht das Gestalten der Politik konkret aus?

Auch wir Schüler waren zunächst, trotz der Einführungsveranstaltung eines Jugendoffiziers eine Woche zuvor, eher ahnungslos – zumindest hat man diesen Eindruck im Nachhinein. Die Ungewissheit, wie POL&IS tatsächlich ist, begann bereits auf der Fahrt in die Tiefen des Schwarzwalds, die uns in eine Bundeswehrkaserne nach Todtnau-Fahl führte. Nach der Zimmereinteilung und einem Mittagessen wurde unsere Unwissenheit komplettiert, indem wir im Seminarraum Flaggen, Formularen und Filzstiften begegneten. Da die Regionen und Institutionen größtenteils im Vorhinein verteilt worden waren, konnte rasch mit der Simulation begonnen werden. Jedes Land und jede Institution sollte zunächst ihre Grundsätze formulieren und der Weltpolitik vorstellen. Nach diesem Warm-Up begannen die Akteure allerdings mit der Politik und Wirtschaft: Die Minister füllten Formulare aus, in denen sie ihre nationalen Pläne sowie Aktionen und Ausgaben festhielten. Die Staatschefs besprachen die Sicherheitspolitik, die NGOs überwachten das Weltgeschehen und die Weltpresse versuchte allerlei Informationen ausfindig zu machen. Nach einigen Startschwierigkeiten konnte sich die Politik des ersten POL&IS-Jahres sehen lassen: Greenpeace startete im Zuge der Überfischung die Hashtag-Aktion #freethefish, Afrika erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung und ein Abrüstungsabkommen wurde abgeschlossen, welches die Abrüstung von ABC-Waffen innerhalb von vier POL&IS-Jahren forderte.
Dies war der Anfang, der noch fortgesetzt werden wollte: In den Folgejahren wurde u.a. die Staatsform Arabiens in eine konstitutionelle Monarchie geändert, ein Müllabkommen wurde abgeschlossen und Modernisierungen fanden in zahlreichen Regionen statt.
Jedes POL&IS-Jahr geht nahtlos in das darauffolgende über, allerdings wird die Politik auch von unerwarteten Vorkommnissen heimgesucht. Diese wurden in der POL&IS-Tagesschau vor Beginn jedes anbrechenden Jahres präsentiert, die beispielsweise das Alkoholproblem in Russland aufgrund ihres hohen Wodka-Konsums oder die Islamisierung in Arabien verkündet. Auch konnten die Weltereignisse durch das Wetter beeinflusst werden, die vor jedem POL&IS-Jahr gewürfelt wurden und somit dem Zufall unterlagen. Trotz der aufkommenden Strapazen gelang es beispielsweise Afrika, einen Krieg gegen den sogenannten IS zu beenden, Amnesty startete eine Aids-Kampagne und Europa hatte mit der Migrationsproblematik umzugehen. Dennoch hatte die Welt mit einem stetig wachsenden Müllberg zu kämpfen, der sich trotz des Müllabkommens nicht minimieren wollte und auch fand in China, entgegen des vereinbarten Abkommens, Aufrüstung statt – wenn auch nur durch ein Missverständnis.
Dies war ein Ausschnitt in das Konglomerat der Ereignisse der ersten drei POL&IS-Jahre. Die Akteure, die sich spätestens jetzt in ihren Rollen gefunden hatten, begegneten im vierten POL&IS-Jahr Ereignissen ungleich der Erwartungen. Im Laufe dieses POL&IS-Jahres gab es einige Leaks seitens interessanter Quellen – droht der Welt ein Krieg? Tatsächlich wurde die Welt mit einem Krieg konfrontiert – einem Atomkrieg. Dieser Krieg, der von Indien geführt wurde (wofür Indien sogar einen Atomkoffer nachgeahmt hatte), beendete die Weltpolitik. Alle Akteure fanden sich bei den Staatschefs zusammen, sodass nun die Weltpolitik – und somit auch die Menschheit – dem Untergang ins Auge blickte.

Nachdem die Jugendoffiziere, die uns über die gesamte Simulation hinweg unterstützten und uns fachlich berieten, über die tatsächlich vorhandene Option des Atomkrieges aufklärten und über die bereits stattgefundenen Ereignisse berichteten und diese kritisch beleuchteten, war die Simulation mit dem Weltuntergang beendet.

Auch wenn sich die Simulation dem Ende neigte, ist es für uns noch lange nicht zu Ende. Durch die Eigeninitiative, die in dem simulierten Politikgeschehen erbracht werden musste, kann man als Schüler ein wenig besser begreifen, wie Politik tatsächlich gemacht wird. Auch wenn geheime Intrigen der Politik wohl verborgen bleiben werden, so konnte jedoch die Motivation der Politiker in dieser Welt ein wenig angerissen und erfahrbar gemacht werden.

Dennoch sind drei Tage intensiver Beschäftigung eben doch nicht dazu fähig, die Politik in Gänze zu begreifen. Wie soll man auch mehrere Jahrhunderte der Politikgeschichte in drei Tage komprimieren? So wurde die Priorität auf internationale Geschehnisse gesetzt – nationale Ereignisse konnten weniger berücksichtigt werden, allein schon des Umfangs und der Vielschichtigkeit wegen. Und es sollte nicht vergessen werden: Man ist bei der Bundeswehr. Die Handlungsmöglichkeiten der Staatsminister waren folglich durchdachter und komplexer als bei den Finanzministern an der Börse.

So ist Politik nun einmal: komplex, vielschichtig und für den Einzelnen unbegreiflich. Diese gemeinschaftliche Erfahrung, die über die drei Tage gesammelt werden konnte, führte dennoch zu einem tieferen Verständnis in den Themen der Weltpolitik – wenn auch nicht in ihrer ultimativen Umfassendheit.

Somit möchten wir uns zum Einen bei den Jugendoffizieren bedanken, die uns tatkräftig unterstützten und auch außerhalb der Simulation nette Gesellschaft leisteten, ebenso gilt der Dank dem Lehrerduo Frau Tomanek und Herrn Getzberger.

Artikel von Mai Saito
korrigiert von C. Baumgarten und D. Getzberger

 

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