Schule ohne Rassismus - Eine Chronik

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21.12.2012 - Gymnasium Trossingen wird 'Schule ohne Rassismus'

Das Gymnasium Trossingen - eine Schule gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung

Seit November 2012 darf sich das Gymnasium Trossingen offiziell "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" nennen. Im zweiten Anlauf war es der SMV des Gymnasiums Trossingen, vor allem aber Mirjam Hohner und Tobias Brouwer zu verdanken, dass die Schule diesen Titel tragen darf. Dazu mussten mindestens 70 Prozent aller am Gymnasium Tätigen eine Selbstverpflichtung unterschreiben, in der man sich verpflichtet gegen Rassismus und Diskriminierung jeder Art vorzugehen. Der Geschichts- und Religionslehrer Thomas Herrmann wurde als Pate gewonnen und so wurde der ehrenvolle Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" dem GT am 21.12.2012 verliehen.

T. Brouwer

30.01.2013 - Auszeichnung im Stuttgarter Schloss

Schule ohne Rassismus - Zukunft braucht Zivilcourage - Wir zeigen Gesicht

Rede  Ehrengaeste  Schueler des GT  Schueler des GT mit Organisationsleiterin

 

Unter diesem Motto hatte die Landeskoordination der Organisation 'Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage' am Mittwoch, den 30. Januar 2013, ins Neue Schloss nach Stuttgart
geladen.
Das Gymnasium Trossingen war als jüngstes Mitglied Baden Württembergs natürlich ebenfalls eingeladen. Wir, das sind Mirjam Hohner, Tobias Brouwer und Herr Herrmann, fuhren gemeinsam nach Stuttgart und wurden sehr herzlich in den Kreis der 'Familie der Schulen ohne Rassismus' – so wurde es von Frau Sünder formuliert - aufgenommen.

 

Frau Sünder, die zur Titelverleihung kurz vor den Weihnachtsferien in Trossingen auf der Vollversammlung gesprochen hatte, begrüßte uns namentlich – als jüngste Mitgliedsschule!

Nach diversen Grußworten  - unter anderen von der Ministerin für Integration Bilkay Öney - hielt schließlich Herr Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland die Hauptrede des Abends. Er schlug den Bogen vom Datum des Tages, an dem sich zum 80. Mal die Machtübertragung auf Adolf Hitler durch den Reichspräsidenten Hindenburg jährte über das mutige Verhalten der Sozialdemokraten damals, die vertreten durch ihren Fraktionsführer Otto Wels in einer dramatischen Rede einige Wochen später den Nazis im Parlament mutig entgegentraten bis zum Jahr 2013.  Kramer stellte die Schulen ohne Rassismus in die Tradition des Otto Wels, der am 23.März 1933 in dieser Situation der psychischen und physischen Bedrohung wahrhaft Zivilcourage gezeigt hatte und trotz der Bedrohung durch SA-Schläger die Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes aufrecht erhielt und begründete.  In seiner engagierten und bewegenden Rede nahm Kramer auch Stellung zu aktuellen Themen, wie z.B. der Debatte um das NPD-Verbot. So bekannte er – obwohl "sein Zentralrat" für ein Verbot eintrete, dass er selbst aus guten Gründen gegen ein Verbot der NPD sei: Eine antisemitische Partei könne man verbieten, den Antisemitismus nicht, so Kramer. Ein weiteres Argument war für ihn die bereits laufende Vorbereitung zur Neugründung einer Nachfolgepartei der NPD: Sollte die NPD wirklich verboten werden, dann werde umgehend "Die Rechte" gegründet.

Umrahmt wurde der Abend von hochklassigen Musikbeiträgen, vorgetragen von Schülerinnen und Schülern des Reutlinger Friedrich-List-Gymnasiums. (Das nächste Mal sollte dort unser Orchester oder die Bigband spielen!)

Am Ende tauschten wir uns noch mit Frau Sünder aus.  Sie war sehr erleichtert, dass der Empfang so ein Erfolg war und machte dem GT Mut, mit kreativen Ideen sich des neuen Titels "Schule ohne Rassismus" würdig zu erweisen.

Kommentar zur Auszeichnung

 

Wir als „Schule ohne Rassismus“

Es spielt keine Rolle, ob wir einen akuten Anlass sehen, oder ob wir schon gegen Rassismus gehandelt haben. Dieser Titel: „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist keine Auszeichnung und kein Preis, sondern eine Verpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft.

Auch für Schulen, die vermeintlich von dem Problem des Rassismus nicht betroffen sind, ist es eine gute Motivation zu handeln, da man durch vorbeugende Maßnahmen jede Form von Diskriminierung im Keim ersticken kann. Einfach wegzuschauen und die Dinge laufen zu lassen ist etwas sehr Feiges, Unschönes und auch Gefährliches, auch mit Blick auf unsere Geschichte. Wir wollen uns einsetzen für eine tolerante und aufgeklärte Schule und somit einen Beitrag leisten für eine bessere Gesellschaft. Tolerant nicht nur im Sinne gegenüber Kindern mit ausländischer Herkunft, sondern auch gegenüber Menschen mit anderem Glauben, anderen Traditionen oder anderer sexueller Orientierung. Wer an die Rassenlehre glaubt und meint, er gehöre zu besseren Menschen, sollte sich durch Wissenschaft, also Biologie, Ethik und Theologie – und durch gesunden Menschenverstand eines Besseren belehren lassen. Gott hat jeden Menschen (zum Glück) unterschiedlich und mit Liebe geschaffen, darum gilt für uns Menschen, wie es in Matthäus 25, 40 steht:

„Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Und für alle gläubigen Menschen gilt – egal welcher Religion sie angehören:

"Behandle die Menschen so, wie du von ihnen behandelt werden willst." (Goldene Regel)

Um unserer Verpflichtung gerecht zu werden, läuft pro Jahr mindestens eine größere Aktion zu diesem Thema. Außerdem ist es eines jeden Pflicht bei auftretenden Problemen zu handeln.

Unsere Motivation und Arbeit leisten wir für das eine Ziel:

Dem friedlichen Zusammenkommen in unserer Verschiedenheit an unserer Schule.

Ein Beitrag von: Tobias Brouwer JS1 - 2014

19.10.2013 - Fotoprojekt mit Arek Sawko

Fotoprojekt mit Arek Sawko

Am 19.Oktober 2013 nun wollte das Gymnasium diesem Titel gerecht werden und präsentierte im Rahmen des 125jährigen Jubiläums ein Fotoprojekt, das auf insgesamt 10 Plakaten jeweils zwei befreundete Schülerinnen oder Schüler mit und ohne Migrationshintergrund zeigte. Mit von den Schülern ausgewählten oder selbst verfassten Texten versehen wurden die Bilder auf Plakatgröße gebracht und in der Schule präsentiert.  Der große Erfolg zeigte sich u.a. an den hervorragenden Bewertungen, die die Besucher des Ausstellungsraumes auf einer Flipchart hinterließen. Nur durch den Profifotografen Arek Sawko war die Realisierung dieses Projekts überhaupt möglich geworden, denn er stellte den Schülern dazu nicht nur sein Atelier (damals noch sehr günstig in der Turnerstraße gelegen), sondern vor allem seine Arbeitszeit und sein Know-How völlig umsonst (!) zur Verfügung.

Zur Motivation für dieses Projekt sagt der Projektpate: "Uns bewegt die Vorstellung, dass wir es schaffen, in unserer Schule – dem Gymnasium Trossingen – eine Schulgemeinschaft hinzubekommen, die ohne gegenseitige Diskriminierung, ohne Rassismus, ohne Häme oder Geringschätzung gegenüber Homosexuellen, Behinderten oder Angehörigen irgendwelcher ‚Randgruppen‘ auskommt."

Unter der Leitung von Mirjam Hohner, Tobias Brouwer (Jahrgangsstufe 1) und Herrn Herrmann waren an dem Projekt beteiligt:

Daniel Bürk,  Maria Fietz, Fabian Gail, David Hauser, Linah Kahf, Adrian Kienzle, Dennis Klein und Zaklina Rajko (alles Schüler/innen der Klasse 10a).

 

Bilder

        

 

2015 - Auszeichnung Plakatserie Different but equal

Plakatserie "Different but equal" erhält 3. Preis 

Die Plakatserie "Different but equal" wurde 2015 von uns bei einem Wettbewerb eingereicht, der vom DGB veranstaltet wurde.
Der Wettbewerb hatte das Thema „Respekt“ und die Plakatserie des SoR-AG des Gymnasiums Trossingen errang den dritten Preis, der mit 300,- Preisgeld dotiert war. Zur Preiverleihung wurde die SoR-AG nach Tuttlingen eingeladen zur feierlichen Preisverleihung.

2015/2016 - Interreligiöser Begegnungsabend A meeting of faiths

A meeting of faiths

Im Jahr 2015/16 wollte sich Schule-ohne-Rassismus-AG (SoR-AG) des Gymnasiums Trossingen in die allgemeine Debatte um die Flüchtlingsfrage und die damit verbundene Integrationsthematik einmischen und dieses Thema aus der Schule heraus mit einer breiteren Öffentlichkeit diskutieren. Die Grundidee dabei war Angehörige der drei monotheistischen Weltreligionen miteinander ins Gespräch zu bringen – die Menschen in Trossingen sollten miteinander und nicht übereinander sprechen. Juden, Muslime und Christen aus unserer Region sollten zu einer Podiumsdiskussion eingeladen werden, unter der Überschrift: „A meeting of faiths“.

Dieser Abend der Begegnung sollte von Prof. Karl-Josef Kuschel moderiert werden, den wir über Herrn Becker als Moderator gewinnen konnten. Prof. Kuschel, der auf dem Gebiet des interreligiösen Dialogs große Erfahrung hat (Projekt Weltethos) hatte uns zugesagt die drei Teilnehmer auf dem Podium - jeweils eine/n Vertreter/in für das Judentum, das Christentum und den Islam - miteinander ins Gespräch zu bringen.

Die Vorbereitungen zu diesem Abend gestalteten sich allerdings als wesentlich aufwändiger als zunächst angenommen; nicht nur die Raum- und die Terminfrage, sondern auch Kommunikationsprobleme stellten uns immer wieder vor neue Herausforderumngen. Als es schließlich fast soweit war, die Plakate waren gedruckt und aufgehängt, Einladungen waren verschickt und Handzettel fertig zum Verteilen, erreichte uns die Hiobsbotschaft eine Woche vor dem geplanten Termin: Unser prominenter Moderator Prof. Kuschel war schwer erkrankt und musste leider absagen. Zusätzlich hatte der ursprünglich als Podiumsteilnehmer vorgesehene Dialogbeauftragte der muslimischen Gemeinde kurzfristig absagen müssen. Nach kurzer intensiver Diskussion entschied sich die SoR-AG dafür, den Abend „A meeting of faiths“ abzusagen. Er soll aber im kommenden Schuljahr durchgeführt werden.

2015/2016 - Dokumentarfilm Different but equal

Dokumentarfilm "Different but equal"

Ferner konzipierte und erstellte die SoR-AG einen Dokumentarfilm, in dem Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die in Trossingen leben, in Interviews zu ihrem Glauben befragt werden und in dem das Gemeinsame gläubiger, friedliebender Menschen zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Das Ergebnis, also der fertige Film, wurde auf die Homepage unserer Schule gestellt und kann dort angeschaut werden. In diesen Film hat die SoR-AG viel Arbeit gesteckt und die Umsetzung ist vor allem einer Schülerin und einem Schüler zu verdanken, die sehr versiert im Umgang mit Kamera, Schneide- und Vertonungssoftware sind.

Mai Saito (ab diesem Schuljahr Klasse 10) und Gabriel Rinaldi (Abitur 2016) haben den Löwenanteil der Arbeit geleistet, die Fragen stellte Elisabeth Potemkin (Abitur 2016).

Bei den Interviews kommen auch verschiedene Flüchtlinge, die in Trossingen leben, zu Wort, die über ihren Glauben erzählen und darüber, wie frei sie ihn in Deutschland leben können.

2015/2016 - SoR-AG bei Straßeneinweihung

Engagement der SoR-AG bei Straßeneinweihung in Trossinger Neubaugebiet

Vor kurzem beteiligte sich die SoR-AG an der Einweihung einer neuen Straße (wenige hundert Meter vom GT entfernt), die nach Sophie Scholl benannt wurde, mit einer kleinen Ansprache. Im Vorfeld hatte sich die AG für einen alternativen Namen beim Trossinger Bürgermeister stark gemacht, Malala-Straße wäre ein Name gewesen, der unserer AG passend erschien und mit dem man ein noch stärkeres Zeichen gegen den alltäglichen Rassismus hätte setzen können. Der Bürgermeister verwarf diesen wohl überlegrten und gut begründeten Vorschlag mit dem Hinweis, dass es eine Regel gebe, dass man Straßen nicht nach noch lebenden Persönlichkeiten benennen soll.

Nicht wirklich überzeugt von diesem Argument sagten wir unsere Beteiligung zu und Mai Saito verfasste und hielt eine kleine Ansprache zu Leben und Werk von Sophie Scholl und zu ihrer Bedeutung für die heutige Jugend.

Rede über Sophie Scholl von Mai Saito

 

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